Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    liebe Freundinnen und Freunde von VENRO,

    in der vergangenen Woche hat die BMZ-Leitung  überraschend eine neue Geschäftsführerin der Servicestelle "Engagement Global" vorgestellt. Ich habe mich spätestens da allen Ernstes gefragt, ob der Verband das BMZ nicht auf Schadenersatz verklagen soll.

    Ich weiß nicht, wie viele Stunden wir in Verhandlungen mit dem BMZ zur neuen Servicestelle "Engagement Global" verbracht haben. Aber es waren eine ganze Menge, und es käme gewiss ein hübsches Sümmchen zusammen, wenn man nur mal die Stunden zusammenrechnen würde, in denen wir über die Mitwirkungsmöglichkeiten des Verbandes bei der Bestellung der Geschäftsführung verhandelt haben.

    An die dabei gegebene Zusage, VENRO bei der Bestellung der Geschäftsführung zu konsultieren, hat sich das BMZ jedoch nicht gehalten - die von VENRO und BMZ investierte Zeit und Energie war also völlig sinnlos verplempert. Ist das die neue Effizienz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit?  
    Kein Wunder, dass da Gedanken an Schadenersatz durch den Kopf spuken, zumindest zeitweise.

    Aber nicht genug damit: Die vom BMZ berufene neue Geschäftsführerin (FDP) hatte in einem Interview schon im Oktober 2011 darauf hingewiesen, dass sie einen neuen Job bekommen werde, ihr neuer Arbeitgeber die Berufung jedoch erst im Dezember bekanntgeben könne. Aber es sei bereits "alles in trockenen Tüchern". Merkwürdig. Denn die öffentliche Ausschreibung erfolgte erst im gleichen Monat. Der Verdacht, der sich hier aufdrängt, dass nämlich die Wahl bereits vor der Ausschreibung getroffen war, fand sich in der vergangenen Woche ausführlich in vielen Medien beschrieben. Und er fand und findet einen fruchtbaren Nährboden in allen Fraktionen des Deutschen Bundestages. In allen!

    Wir wollen die Geschäftsführung der Servicestelle nicht wichtiger reden, als sie ist. Und dennoch: Die Art und Weise, wie VENRO und andere Akteure wie der Deutsche Städtetag oder das Land NRW  hier behandelt wurden, ist ein beispielloser Affront. Sie gibt beredt Auskunft darüber, wie sehr die BMZ-Leitung sich damit schwertut, einen vertrauensvollen und ehrlichen Dialog mit der verbal so viel gepriesenen Zivilgesellschaft zu führen. Souveränität jedenfalls sieht anders aus. "Ein großer Stuhl macht noch keinen König", sagt man im Sudan. Da ist was dran. 

    VENRO-PM: "Entwicklungsminiterium hält Zusagen nicht ein" PDF
    Servicestelle: Mission ImpossibleVENRO infomiert Mai 2011

    Ulrich Post ist Vorstandsvorsitzender von VENRO.